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1999

   

Treptour Kultur & Freizeit in Treptow Sept. 99

15 Jahre Figurentheater "Grashüpfer"

Seit mehr als zwei Jahren ist die Treptower Kulturlandschaft um ein Schmuckstück reicher. In der früheren "Intershop"-Verkaufsstelle im Treptower Park hat sich das Figuren-Theater "Grashüpfer" niedergelassen und führt seitdem jährlich Tausende Kinder aus Treptow und den angrenzenden Bezirken in die Zauberwelt des Puppenspiels. Besonders beliebt bei den kleinen Theater-Fans: "Frau Holle", "Mäuseken Wackelohr" und "Das Rübchen". Es ist eines von kaum einem Dutzend Spielstätten dieser Art in Berlin, die bis heute überlebt haben.

Begonnen hat die Geschichte allerdings schon viel früher, als sich im September 1984 in einem Hinterhaus in der Dolziger Straße im Friedrichshain eine kleine Gruppe von Amateurpuppenspielern zusammenfand, um mit viel Einfallsreichtum und Engagement Stücke für Vorschulkinder einzustudieren. Initiiert hatte dies alles Sigrid Schubert, von Hause aus eigentlich Informartikerin. Aber durch ihre beiden kleinen Töchter (die eine studiert heute Puppenspiel an der Schauspielschule "Ernst Busch") fand sie Spaß am Puppenbasteln und versuchte sich später auch mit dem Puppenspiel.

Dere Erfolg der kleinen Truppe kam schnell: Teilnahme am UNIMA-Kongreßmin Dresden, der "olympiade" der Puppenspieler, und am Festival in Chrudim bei Prag, Goldmedaille bei den Arbeiterfestspielen in Gera usw.

Als sich mit der "Wende" auch die Förderbedingungen für kleinkünstlerische Unternehmungen dieser Art wendeten, waren Einfallsreichtum, Eigeninitiative und Professionalisierng angesagt.

Das lief bis etwa 1994 überraschend erfolgreich, bis sich der wendebedingte Geburtenknick auswirkte und die Besucher einfach weniger wurden. Die kleine Spielstätte im Friedrichshain mußte aufgegeben werden. Ein Neuanfang gelang zunächst unter dem schützenden Dach des "Förderbandes" einer kulturorientierten Beschäftigungsgesellschaft, und später des Vereins "offensiv’91 e.V.", zu dessen Mitbegründerinnen Sigrid Schubert zählte.

Das Angebot des Bezirksamtes zur Nutzung des kleinen Pavillons im Treptower Park war ein Glücksfall. Weitestgehend mit eigener Kraft entstand ein kleiner Theatersaal mit 60 Plätzen. Die Wände sind phantasievoll geschmückt mit allerlei Fabelwesen, zumeist selbsthergestellten Puppen. Seit dem Neuanfang im Treptower Park können die "Grashüpfer", nunmehr in völlig anderer Zusammensetzung, auf eine mehr als erfolgreiche Bilanz verweisen: 8500 kleine Zuschauer begeisterten sich im vergangenen Jahr in etwa 300 Vorstellungen an den 25 Stücken, dargeboten auch von fast 20 Gast-Ensembles und Solo-Künstlern. Ob traditionelles Handpuppenspiel in der Guckkastenbühne, freie moderne Animation von Objekten; kunstvolles Marionetten-, Schatten- oder Stabpuppentheater oder offenes Spiel- und Mitspielpuppentheater, alle künstlerischen Formen des Genres werden gepflegt. Aber der Spielplan umfaßt auch Inszenierungen angrenzender Künste wie Clownerie, Erzähltheater und Musik.

Für Sigrid Schubert ist dieses kleine Theater ein Stückchen Lebenspassion. Sie weiß, die kleinen Besucher, die unruhig auf ihren Sitzen lautstark mit ihren Lieblingshelden auf der Bühne fiebern, das ist das Theaterpublikum von morgen. Sie und ihre Mitstreiter leisten damit nachhaltige Kulturarbeit im wahrsten Wortsinne. Deshalb und wegen der Impulse, die sie anderen Puppenspielern verlieh, wurde Sigrid Schubert, seit 1993 übrigens nebenher auch Vorsitzende des Kulturausschusses der Treptower BVV, vom Paritätischen Wohlfahrtsverband für ihre Verdienste um die Förderung freier Träger geehrt. Viele Mitglieder ihrer früheren Truppe sind heute freiberufliche Puppenspieler.

Am 25. September wird im und um das Figurentheater gefeiert. Mit einem Sondergastspiel von Axel Jirsch und einem zünftigen Kinderfest mit Schminkstraße, Figurenbasteln usw. wird Rückschau gehalten auf eine 15jährige erfolgreiche Pflege des Puppenspiels, das übrigens auch unter den Erwachsenen nicht wenige Anhänger hat.

Das Kulturamt Treptow gehört seit dem Start im Treptower Park zu den Förderern der "Grashüpfer" und schließt sich den Glückwünschen zum Jubiläum auf das herzlichste an.

Autor Dr.Gutsche